Basiswissen Homöopathie

  • Basiswissen Homöopathie

    Hallo Foris,

    da hier im Forum immer wieder die Homöopathie als Therapieform genannt wird, homöopathische Mittel empfohlen werden und andere Tipps bezüglich der Homöopathie gegeben werden, die leider nicht immer korrekt und manchmal sogar gesundheitsgefährdend sind, haben Martin, die Mods und ich überlegt, dass ein Thread, in dem ein bisschen Basiswissen erläutert wird, dem ein oder anderen Fori vielleicht weiterhelfen könnte.

    Also werde ich hier - unter dem Punkt "Annettes Allchemie Archiv" (Martins Vorschlag :D ) nach und nach die Grundprinzipien der Homöopathie erklären (und wenn Interesse besteht, gehe ich gerne auch auf andere ganzheitliche Therapieformen ein, sofern ich das entsprechende Wissen dazu habe).

    Der Übersichtlichkeit wegen, sind in diesem Thread keine Fragen, Erfahrungstipps oder Duskussionen erwünscht - aber natürlich soll und darf diskutiert werden, hierfür dann bitte einen extra Thread eröffnen.


    WAS IST HOMÖOPATHIE?


    Die Homöopathie ist eine Therapieform, die auf Samuel Hahnemann zurückgeht. Er war deutscher Arzt, Apotheker und Übersetzer und lebte von 1755 - 1843.
    Die wichtigsten Grundprinzipien der Homöopathie sind die gezielte individuelle Arnzneimittelwahl auf der Basis der Simile-Regel (Simila similibus curentur = Ähnliches mit Ähnlichem heilen), das Wissen um die Arzneimittelwirkung und die Gabe der MIttel in potenzierter Form.

    Das Wort Homöopathie ist abgeleitet aus den griechischen Worten "homoios" = ähnlich und "pathos" = Leiden. Das bedeutet, eine Krankheit wird durch ein homöopathisches Mittel geheilt, das in seiner Reinform exakt diese Erkrankung hervorrufen kann.

    Das homöopathisch richtige Mittel wird für jeden Patienten individuell ausgewählt, nach den speziellen und individuellen Symptomen und Zeichen und passend zum Charakter des jeweiligen Patienten


    WAS SIND HOMÖOPATHISCHE MITTEL?

    Homöopathische Arzneimittel können quasi aus allem, was es auf unserer Erde gibt hergestellt werden. Es gibt Mittel aus Pflanzen, Tieren, Mineralien, menschlichen Organen und Geweben (z.B. Haut und Knochen), Krankheitserregern, Impfstoffen, Chemikalien, usw...
    Diese Mittel werden auch heute noch exakt nach Hahnemanns Vorschriften hergestellt. Die Ausgangssubstanzen werden suf ganz spezielle Art und Weise verdünnt und potenziert, d.h. in ihrer Wirkung verstärkt. Viele MIttel werden durch die Potenzierung erst verwendbar, da sie in ihrer Reinform tödlich oder zumindest gesundheitsgefährdend wären.


    WAS SIND HOMÖOPATHISCHE POTENZEN?


    Es gibt verschiedene Potenzen:
    D-Potenzen, C-Potenzen, LM-Potenzen und Q-Potenzen
    Die Buchstaben weisen auf den jeweiligen Verdünnungsgrad hin

    D-Potenzen - Verdünnung 1:10

    D-Potenzen werden hergestellt, indem die Ausgangssubstanz, z.B. eine in Alkohol eingelegte Pflanze, mit einem Alkohol-Wasser-Gemisch verdünnt wird und zwar im Verhältnis 1:10, d.h. man nimmt 1 ml der "Pflanzensuppe" und mischt diesen mit 9 ml Alkohol. Es wird beim MIschen allerdings nicht gerührt, sondern geschüttelt, d.h. die Mischung wird 10x fest auf ein in Leder gebundeses Buch geschlafen (inzwischen werden bei der industriellen Herstellung Lederkissen verwendet).
    Diese geschüttelte Mischung ist nun die D1, möchte man eine höhere Potenz und damit ein stärker wirksames Mittel haben, verschüttelt man weiter.
    D.h. man nimmt 1ml der D1 und mischt diesen wieder mit 9ml Alkohol, wieder 10 Mal gen Erdmittelpunkt schlagen => D2
    Dieser Schritt wird nun immer weiter wiederholt, bis man die gewünschte Potenz, z.B D30 oder D200 erreicht hat.
    Es darf kein Potenzierungsschritt ausgelassen werden!!
    Das D - steht für lateinisch "Dezimale" , was die Verdünnung in Zehnerschritten bedeutet

    C-Potenzen- Verdünnung 1:100

    C-Potenzen werden ähnlich hergestellt wie D-Potenzen, nur ist hier die Verdünnung 1:100,
    d.h. man nimmt 1ml der "Pflanzensuppe" und verdünnt mit 99ml Alkohol -> dann wird auch hier die Flasche 10x auf ein in Leder gebundenes Buch geschlagen => C1
    aus der C1 wird dann weiter potenziert,
    d.h. 1ml C1 + 99 ml Alkohol, 10x schütteln => C2
    auch hier darf beim Weiterpotenzieren kein Schritt ausgelassen werden
    Das "C" - steht für lateinisch "Centesimale" und bedeutet Verdünnung in Hunderterschritten

    LM-Potenzen - Verdünnung 1:50.000
    Die Verdünnung der LM-Potenzen erfolgt wie oben beschrieben, nur eben
    1ml "Pfanzensuppe" + 49.999ml Alkohol und hier wird 100x verschüttelt => LM1, der nächste Potenzierungsschritt ist dann auch hier wieder:
    1 ml LM1 + 49,999 ml Alkohol => LM2

    Q-Potenzen - Verdünnung 1:50.000

    Die Verdünnung der LM-Potenzen und der Q-Potenzen ist gleich, allerdings werden Q-Potenzen nicht aus der "Pflanzensuppe" hergestellt, sondern aus einer Verreibung in der
    Potenz C3

    Eine Verreibung (= ein Pulver) wird dann hergestellt, wenn z.B. Mineralien homöopathisch aufbereitet werden sollen.


    Physikalisch-chemisch gesehen sinkt also der Wirkstoffgehalt, je höher die Potenzstufe ist und von D -> C -> LM (Q), aber die Wirkung des entstehenden homöopathischen MIttels wird immer stärker.


    WANN NIMMT MAN WELCHE POTENZ?


    Auf diese Frage gibt es fast so viele Antworten, wie es Therapeuten gibt...
    D.h. das, was ich jetzt schreibe wird sicher
    nicht von allen anderen Homöopathen so empfohlen; ich gebe Euch das weiter, was ich in meiner Ausbildung gelernt habe, was sich bei mir in der Praxis bewährt hat und was bei vielen homöopathischen Fortbildungen von vielen Homöopathen und Kollegen auch so bestätigt wurde...

    Es wird prinzipiell unterschieden in niedrige, mittlere und Hochpotenzen.

    Als niedrige Potenzen gelten die Potenzstufen bis D12, bzw. C12, die mittlere Potenz ist die D30/C30, als Hochpotenz gilt alles über D200/C200
    Eine Sondergruppe stellen die LM- bzw. Q-Potenzen da, diese werden sowieso meist nur von Therapeuten und nicht von homöopathischen Laien eingesetzt.

    Im Allgemeinen werden die niedrigen Potenzen, also D6/C6 oder D12/C12 bei akuten, rein organischen Problemen eingesetzt.
    Die C30 bei subchronischen Erkrankungen, bei denen auch die Psyche beteiligt ist.
    Ab der Potenz D200/C200 wird bei jeder Behandlung auch die Psyche mit beeinflusst, d.h. diese Potenzen gehören NUR in Threapeutenhand!!

    Unterschiedlichen Potenzen wird auch eine unterschiedlich lange Wirkungsdauer nachgesagt:
    - niedrige Potenzen wirken ca. 6-24h
    - mittlere Potenzen wirken bis zu vier Wochen
    - Hochpotenzen wirken bis zu 12 Monate


    Hahnemann selbst hat in seinem Leben NICHT mit D-Potenzen gearbeitet.
    Sie kritisierten die von Hahnemann bevorzugten Potenzen (C39 - C200 - C1000 - C10.000, und gegen Ende seines Lebens LM)cda hier keine Wirksubstanz mehr nachweisbar war.Sahen aber durchaus seine Erfolge, und um den "wirkstofffreien" Mitteln Hahnemanns etwas entgegen zu setzen, wurde eine niedrigere Verdünnung entwickelt.

    Heutige "klassische Homöopathen", die sich in ihrer Arbeit ausschließlich auf Hahnemann beziehen, lehnen ebenfalls den Einsatz der D-Potenzen ab. In vielen Ländern, in denen die Homöopathie sehr intensiv eingesetzt wird (z.B. Indien) sind die D-Potenzen unbekannt, bzw. nicht üblich, hier wird nur mit C- und LM (Q)- Potenzen gearbeitet.












    Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben - nur Licht kann das
    Hass kann Hass nicht vertreiben - nur Liebe kann das
    (Martin Luther King)

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